Château Margaux

Wir besuchten das Château am Südrand von Margaux  nach Latour. Dagegen wirkt das eindrucksvoll große Anwesen eher gediegen - vom Monument zur Institution gewissermaßen. Hier sind die Rebberge ebenfalls bis ans Gironde-Ufer gelegen. Das ins ockerfarben gehende Gelb der Mauern und der Charakter eines alten, aber gepflegten Gebäudes, werden durch die Holztanks im Chais unterstrichen. Hier gönnt man sich einen eigenen Küfer und die Château-eigene Rinderherde sorgt für natürlichen Dünger. Die Barriques reifen im erst in den Achtzigern angelegten Keller, der erschreckend nah am Grundwasser-Spiegel liegt. Madame Loubet erklärt uns beim Weg zur Degustation, dass sie große Liebhaberin gereifter deutscher Rieslinge sei. Aber der hauseigene Sauvignon Blanc muss sich nicht vor großen dt. Rieslingen verstecken: Selten findet man so klare Steinobstnoten in der oft so grasigen Sorte. Noch beeindruckender ist der Grand Vin aus dem Jahr 2005. Was der Latour an Opulenz mehr hat, gleicht Ch. Margaux mit Eleganz aus.

Pavillion Blanc de Château Margaux 2007: Goldgelb. Pfirsichnase, Holunderblüten. Am Gaumen druckvolle Steinobstfrucht. Kraftvolle Süße perfekt balanciert mit delikatem Säurenerv. Gekonnter Ausbau im Holzfass. Beeindruckend auch der Preis... 91-93 WKP

Château Margaux 2007: Die Fassprobe zeigte sich sehr rotbeerig: Fruchtbetonte Nase, Kirschnoten auf der Zunge, stoffig, aber nicht wirklich groß. Ein "netter" Margaux, der früh Freude machen wird, aber sicher kein "vin de garde". 88-90 WKP

Château Margaux 2005: Dunkles Granatrot. Vielschichtiges, tiefes Bukett: Zerquetschte Cassis, Leder, Kirsch und frisch getrockneter Havannatabak. Den Eingang beschreibt man am besten mit einer Staffelei Seidentücher - dunkle Beeren, Kirsch unterlegt mit edlen Schokotönen und perfektem Tannin. Ganz, ganz großer Wein. Wurde 24 Stunden dekantiert. Der Seidentuch-Vergleich beschreibt diesen Wein sehr gut, jede Nuance lässt sich einzeln erkennen, ergibt aber jetzt schon ein herrliches Gesamtbild. Wird in der ersten Genussreife (ab 2016) vermutlich der beste Wein des Jahrgangs sein. 100 WKP

Aktuell verkostete, ältere Margaux-Jahrgänge:

Château Margaux 1992: Rubinrot. Verhaltene Nase. Am Gaumen Anklänge der typischen Fruchtnoten, aber wenig Körper. Fein wäre ein Euphemismus, leicht treffender. Schwaches Jahr im Allgemeinen. 85 WKP

Château Margaux 1988: rubinrote Farbe und verhaltene Nase, der Eingang schön mit Cassis texturiert, Schokolade. Im Abgang junges Tannin, der Wein benötigt mindestens weitere fünf Jahre im Keller, um seine wahre Größe zu offenbaren. Man erkennt die für Chateau Margaux typische Feinheit, jedoch ist dies keiner der ganz großen Würfe des Chateau. 91 WKP

Château Margaux 1989: Granatrot. Beeindruckende Nase - viel reife, rote Beerenfrucht. Am Gaumen klassische Margaux-Eleganz, beginnende Reife verraten. Das Tannin wirkt etwas trocken, stimmt aber in Balance mit den kräftigen Johannisbeer-Noten im Eingang. Lang. Sehr guter Wein, braucht noch mindestens 5 Jahre bis er sich von seiner besten Seite zeigen wird. 93 WKP

Château Margaux 1983: Von der internationalen Kritik mit viel Lob bedachter Jahrgang. Jetzt auf dem Höhepunkt (perfekt gelagerte high fill Flasche). Typische Margaux-Nase (rote Beeren und Kirsch), stoffiger Körper. Seidiges und sehr reifes Tannin. Finesse und auch hier wieder das Aushängeschild des Premier Cru. Austrinken! 94 WKP

Château Margaux 1981: Oftmals unbeachteter Jahrgang der zu überraschen wusste: Granatrot mit leicht orangen Reflexen. Duftige Nase, erstaunlich fester Körper. Schöne Kirscharomen, weich und samtig. Etwas über seinem Zenith, d.h. das Tannin nur noch in Anklängen vorhanden. Dennoch sehr schön. (Noch) 90 WKP