Radikon
Ob
Radikon von radikal kommt? Stanko Radikon wählt für seine Weine auf jeden Fall
ein mutigen, gar extremen Ansatz: Schon lange werden hier Bioweine erzeugt. Das
man dafür härter arbeiten muss, als Winzer, die sich an die Spritzanleitungen
von Chemiefirmen halten, liegt auf der Hand. Nun verzichtet der gute Mann neben
Schönung und Filtration auch auf Schwefel, was nach Meinung der meisten
Experten ökonomischer Selbstmord ist. Schon die kleinste Verunreingung oder ein
gemeiner Bakterienstamm könnte so eine ganze Ernte vernichten oder Kunden
vergraulen. Radikons Kunden wissen aber, dass sie von ihm kein Pinot Grigio
Spülwasser bekommen. Neuerdings erhält man seine Weine nur noch in Halb- oder
Literflaschen, die einen speziellen, sehr dünnen Hals haben. Denn Stanko
stellte mit Edi Kante fest, dass bei der Korkproduktion oft die besten Partien
weggeworfen werden, da diese nicht in die Hälse der "normalen"
Flaschen passen. So suchte man einen Glasproduzenten, der die Vorteile der
Magnumform (besseres Reife-Potential) und eines dünnen Halses (bester Kork kann
verwendet werden) verbindet.
Nun aber genug "um" den Wein geredet - die Azienda Radikon umfasst ca 12 ha, bepflanzt mit den Rebsorten Pinot Grigio, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Ribolla Gialla. Aus diesen entsteht Naturwein, bzw. wilder Wein, wie ihn Stanko selbst nennt. Vinifiziert werden die Weißweine mit klassischer Maischegärung, absolut untypisch bei Weißweinen. Nach langer Mazeration (bis zu 9 Monaten) und malolaktischer Gärung kommt der Wein dann in große Holzfässer, wo er bis zu 3 Jahren reift. Selbstverständlich findet man in diesen Weinen keine Spuren Reinzuchthefen, Enzyme oder Schönungseiweiß. Was in einer eher gewöhungsbedürftigen Farbe resultiert...
2001
Radikon Oslavje Verrückter Wein: Trübe, orange-braune Farbe, eingekochtes,
blumiges Bouquet. Am Gaumen enorm druckvoll - Orangenschalen, süße Zitrusnoten,
reifer Pfirsich, massives Tannin. Langer Nachhall. Sollte man bei 16 Grad
trinken und kann problemlos gegen viele rote Supertoskaner gestellt werden. 91
WKP
2003 Radikon Oslavje - wenn 2001 schon beeindruckend war, 03 setzt nochmal einen drauf: wieder trübe Farbe, dunkles Orange. Diesmal schon in der Nase Orangen, Brioche, Waldboden. Auf der Zunge ein wahres Geschmacksfeuerwerk mit viel Sekundäraromen - cremige Stachelbeere, Cassis, Mandeln, Tabak. Und wieder mundfüllendes, strenges Tannin. Braucht Zeit. Ein Wein wie kein anderer. 93 WKP
2003 Radikon Ribolla Gialla Erzeugt aus der autochthonen Ribolla. 36 Monate im 3500 Liter Holzfass. Trübe, blaßgelbe Farbe. In der Nase etwas verhaltener als die beiden Oslavjes. Dies liegt evt. an der Jugend dieses Weines. Neben Mandeln und Macchianoten nimmt man deutliche mineralische Spuren wahr, sowie Heublumen. Wieder viel Tannin - ein Lagerwein. 88 WKP
Lesenswert: Stanko Radikons Statement zum Thema Schwefel (in Englisch)