Beginnen möchten wir den zweiten Teil unserer
Reportage mit dem Weingut Mascarello in Monchiero,
welches von Giuseppe Mascarello 1881 gegründet wurde. Maßgeblich geprägt
wurde es durch seinen Sohn Maurizio, der 1904 die Lage "Monprivato"
kaufte und 1919 die historische Eisfabrik mit riesigem Gewölbekeller in
Monchiero kaufte. Heute führt Mauro Mascarello das Unternehmen, welches mit
Stolz auf seine 15 ha Land schauen kann (wovon 12 in Produktion stehen), von
welchen jährlichen 40-55.000 Flaschen Wein entstehen. Auch hier ist der
deutsche Markt rückläufig, man orientiert sich hauptsächlich an den USA und
Japan.
Die Nebbiolotraube genießt bei den Mascarellos großen Stellenwert, man selektioniert die Reben über das ganze Jahr und setzt gerade beim Paradewein Monprivato (fast im Alleinbesitz) auf strikte Auswahl. Im Keller geht es dagegen sehr traditionell zu - die Maische des Barolo wird knapp 30 Tage lang vergoren, danach wird der Wein in großen Eichenfässern ausgebaut und meistens erst sechs Jahre nach der Ernte auf die Flasche gezogen. Hier entstehen Weine, die Generationen überdauern können, doch führte man, vor allem um den nicht lagerwilligen Markt zu bedienen die Mikrooxidation ein, welche mit kleinen Dosen Sauerstoff den Wein schneller altern lassen, um ihn zugänglicher zu machen.
Langhe Freisa Toetto 2001: hell und fruchtig, etwas dumpfer Ton in der Mitte, schließt mit erdigem Abgang. 82 WKP
Barbera Scudetto 2002: leichter Alltagswein, sehr süffiger Barbera mit typischem Sauerkirschton und leider etwas bitterem Abgang. 79 WKP
Nebbiolo D'Alba San Rocco 2002: unscheinbarer, wohl jahrgangsgeschädigter, leichter Nebbiolo mit würzigen Noten und kurzem Abgang 81 WKP
Status 1997: Ein Verschnitt aus Barbera (25 %), Freisa (5 %) und Nebbiolo. Sehr stoffiger Wein mit sattem Beerenton (Brom- und Heidelbeere), gestützt von Kirscharoma des Barberas und der Frische der Freisa. Der Nebbiolo sorgt von das mächtige Tannin im Abgang - eine sehr gelunge Cuvée! 90 WKP
Monprivato 2000: die verkostete Flasche war bereits drei Tage geöffnet, weshalb der Wein (vermutlich) schon sehr rund wirkte: Seidige Struktur ohne viele Kanten, aristokratische Noten von Waldboden und Tabak, fein gesponnener Tanninmantel. 92 WKP
Monprivato 1999: auch diese Flasche war schon über einen Tag geöffnet, doch längst nicht so zugänglich wie der 2000èr* Dicht verwobenes Tannin, welches den Wein schon im Eingang begleitet, jedoch niemals zu aufdringlich wirkt. Ganz feine Noten von Stachelbeere, Minze und Veilchen, erdig-mineralische Mitte und ein ewiger Abgang. Meditationswein! 96 WKP

* Zur Erläuterung der letzten Jahrgänge
Die Jahre 1996, 1999, 2001 und 2004 waren alles "klassische" Nebbiolo-Jahre" - kein zu heißer Sommer, dafür ein warmer Herbst: Dies bildet die Vorraussetzung für klassischen Barolo, bzw. Barbaresco. Die Gerbstoffe in den Beerenhäuten können sich entwickeln (ohne allzu viele Bitterstoffe zu entwickeln, da die Kerne in den Trauben erst ab Oktober braun, d.h. reif werden) können und die Zuckergraduation nur langsam steigt.
Die Jahre 1997, 2000 und 2003 (jedoch sehr extrem) zeichneten sich durch einen sehr warmen Sommer aus, was den Nebbiolo-Trauben hohe Zuckerwerte bescherte und etwas unreifes Tannin, weswegen die Maische kürzer auf dem Most vergoren wurde, um bitteres Tannin zu vermeiden (sowohl bei den "Modernisti", wie auch bei den Traditionalisten), was früher zugängliche Weine ergab, welche sich durch geringere Lagerfähigkeit auszeichnen (deswegen jedoch nicht "schlechter" sind). Im Gegenteil - Parker und WineSpectator verhalfen diesen Jahrgängen durch hohe Bewertungen reißenden Absatz in den Vereinigten Staaten. Der Jahrgang 2003 hingegen war für die meisten Nebbiolo-Berge zu heiß: Trockenstress und verbrannte Trauben waren das Problem in manchen Rebanlagen, generell waren nicht allzu südlich exponierte Hänge besser dran, wohin gegen so manche Cru-Lage entweder deklassifiziert wurde oder komplett abverkauft (so bei Aldo Conterno). Für Barbera war 2003 jedoch eines der besten Jahre seit langem.
Das Jahr 1998 ist ein Mittelweg zwischen den beiden oben beschrieben, Barolo, Barbaresco und Barbera geriet in der Regel gut. 2002 hingegen war katastrophal; im südlichen Barologebiet zerstörte Hagel ganze Weinberge, auch sonst regnete es während des ganzen Sommers und zudem während der Ernte. Barbaresco blieb vom Hagel verschont, jedoch verregnete es auch dort größtenteils die Ernte. Durch extreme Ertragsreduzierung und guter Laubarbeit konnten teilweise annehmbare Ergebnisse erzielt werden.
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