Aldo Conterno
Wer
über Barolo berichten will, darf diese Weingüter nicht verpassen. Beginnen
möchten wir mit dem Weingut Aldo Conterno, auf dem
uns der sehr sympathische Giacomo Conterno (einer der drei Söhne von Aldo
Conterno) empfing. Das große und imposante Anwesen passt gut zu den
aristokratischen Weinen, die dieses Gut verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg
trennten sich die Wege der beiden Conterno-Brüder Aldo und Giovanni (beides
Söhne von Giacomo Conterno), welches sich für die Entwicklung des Barolos sehr
vorteilhaft auswirkte: Kaum ein Erzeuger verstand es wie Aldo Conterno Tradition
mit Moderne zu verbinden. Und das Konzept, die Philosophie, welche hinter den
Weinen steckt, ist so einfach, wie sie genial ist: Man hat nicht den Ehrgeiz
"DEN" besten Wein der Welt zu machen, sondern "lediglich"
das Beste aus dem zu machen, was der Boden, das Klima und die Erfahrung zu
bieten hat. Als wir nach Durchschnittserträgen fragen, lächelt Giacomo nur -
jeder Erzeuger, der über Ertragsreduzierung reden muss, sei schon
unglaubwürdig. Niedrige Erträge (und damit meint er nicht 1 Traube pro
Rebstock) seien etwas Selbstverständliches, etwas worüber man nicht zu reden
braucht. So erklärt er uns lieber, wie man die Lagen in Barolo grundsätzlich
unterscheiden kann: Da das Piemont vor Urzeiten noch von Meer überzogen war und
sich dies unterschiedlich schnell zurückzog, weisen die Böden im Grunde zwei,
spezieller drei Charakteristiken auf. Dort (um La Morra), wo das Meer sich am
spätesten zurückzog, sind die Böden fruchtbarer und die Weine deswegen
fruchtbetonter. Im Gegensatz dazu stehen die Böden um Serralunga, welche kärger
sind und so kräftigere, weniger fruchtbetonte Weine hervorbringen. Dies werden
wir später deutlich an den Crus Colonello und Cicala feststellen...
Bei den Barolos arbeiten man traditionell mit lange Maischestandzeiten und großen Holzfässern, jedoch war Aldo Conterno einer der ersten, die Barbera im Barrique ausbaute und auch der Il Favot ist ein Zugeständnis an die Moderne: Nebbiolo von jungen Reben werden ebenso gekonnt im Barrique ausgebaut, wie es ein Elio Altare nicht besser machen könnte.
Bussiador 2001: ein strohgelber Chardonnay, der 12 Monate im neuen Barrique ausgebaut wurde: Wunderbare, nicht aufdringliche Chardonnaynase mit Duft von weißen Blüten, erinnert an große Burgunder der Côte de Beaune, Noten von Banane und Kiwi, fantastisch herausgearbeitete Mineralität in der Mitte, milde Säure und keinen Anklang von Eichenholz. So (und nicht anders) sollte man Chardonnay bereiten! 93 WKP
Barolo Bussia 2001: filigrane Nase, süße Noten von hellen Kirschen im Eingang, erdige Mitte, langer, seidiger Abgang. In 5 Jahren sehr gut 89-91 WKP
Barolo Cru Colonello 2001: Dicke Frucht (Brombeere und Cassis) die von den oben beschriebenen, fruchtbaren, sandigen Böden kommt, komplexer und strukturierter als der Bussia; durch sein weiches Tannin aber auch schon zugänglicher. 91 WKP
Barolo Cru Cicala 2001: Den Colonello könnte man als den sinnlicheren Wein beschreiben, der Cicala dagegen ist sein maskuliner Gegenpart: elegante, aber direkte Frucht, Töne von Erz, Tabak und Leder in der Mitte, sehr langer Abgang. Kann noch lange Zeit reifen, lässt aber schon jetzt seinen Reichtum erkennen. 93-95 WKP
Barolo Riserva Granbussia 1999: Die Riserva ist ein Verschnitt von drei Cru-Lagen, dem besten Traubenmaterial aus Cicala und Colonello, dazu die (mittlerweile) nur für den Granbussia bestimmte Lage Romirasco. Der Wein präsentiert sich als beinahe perfekte Balance zwischen Extrakt und Feinheit: Kakao, Minze, Rauch, Waldbeeren, frischer Tabak, perfekt integrierter Alkohol (wie bei allen Aldo Conterno Weinen), seidiges Tannin und sehr sehr langer Abgang. Wirkt frischer als die verkosteten 2001er und ist vermutlich 50 Jahre haltbar. 97 WKP

Verwundert waren wir, als Giacomo uns bat, nach dem Granbussia nochmals den Chardonnay Bussiador zu kosten - was unseren Eindruck von diesem großartigem Weißwein nochmals unterstrich - der Wein schneidet auch nach dem besten Barolo noch sehr gut ab. Alle verkosteten Weine präsentierten sich, wie unsere Noten zeigen, auf sehr hohem Niveau. So verwundert es auch nicht, dass man 2002 keinen Barolo erzeugte und den kompletten Wein auf dem Fassmarkt verkaufte, ebenso wie die Cru-Weine aus dem Jahr 2003. "Wir haben in den Jahren 95 bis 2000 gutes Geld verdient, so ist es nur konsequent, mindere Qualität nicht unter unserem Namen zu verkaufen. Denn nichts wäre schlimmer, einen potentiellen Kunden mit einem schlechten Wein beim ersten Eindruck zu vergraulen" argumentiert Giacomo. Auch betont er, dass er den Glauben an einen Markt wie Deutschland nicht verliert - in einem traditionellen Weißweinland, schätzte man schon immer große Rotweine und dies sei fest in unserer Kultur verwurzelt. Daran ändert auch eine schwache Wirtschaft nichts - es sei falsch, neue Märkte wie Asien zu forcieren, dort kann man zwar Wein verkaufen, doch wer und wie er getrunken wird, hat mehr mit Prestige als mit Kultur zu tun: "Neue Märkte kommen und gehen - Kultur bleibt". Schön, dass es noch Menschen gibt, die unserem "Geiz ist geil"-Land dies zugestehen.
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