Giacomo Conterno

Wenn man heutzutage überhaupt noch von
Traditionalisten sprechen kann, dann muss man vom verstorbenen Giovanni Conterno
berichten, der die Trauben seiner 14 ha Cascina Francia Lage immer traditionell
ausgebaut hat: 2-3 Wochen werden die Barbera Trauben vergoren, 3-4 Wochen die
Nebbiolo Trauben für den Barolo. Ausgebaut wird ungeschönt und ungefiltert nur
im großen Holzfass, sowohl der Barbera, wie auch die beiden Barolos: Cascina
Francia und der legendäre Monfortino Riserva. Für Roberto Conterno, jüngster
Sohn von Giovanni, bedeutet Wein so zuzubereiten, wie er es von seinem Vater
gelernt hat. "Terroirweine brauchen keinen Barriquegeschmack", so die
althergebrachte Devise auf dem weltbekannten Weingut. Wie man das Beste aus
diesen Böden holt, darüber hat man sich jedoch in den letzten Jahrzehnten
immer wieder Gedanken gemacht. Die Bordeaux-Regel: Viele Rebstöcke pro Hektar =
Qualität funktioniert beim Nebbiolo nicht, die gut 1 qm Platz braucht, um sich
zu entwickeln. So stehen 4000 Nebbiolo-Stöcke (ca. 30 Jahre alt) auf einem
Hektar. Produziert werden je nach Jahrgang 50-60.000 Flaschen, welche in
Deutschland jedoch sehr schwer zu erhalten sind, da die USA der Hauptexportmarkt
des Gutes sind. Die Monfortino Riserva, seit dem Ersten Weltkrieg nur in guten
Jahrgängen hergestellt (meist 7 Jahre Fassausbau) ist ein Aushängeschild für
die ganze Barolo-Region.
Da mittlerweile nur noch Barbera und Barolo produziert werden, hier zwei Beurteilungen der Fassprobe im Keller des Gutes:
Barbera 2001: Endlich mal wieder ein Barbera ohne Eichenfass-Tannine: Schöne Kirschfrucht, milde Säure und sehr zugänglich. Ein idealer Begleiter für die piemonteser Küche 86 WKP
Barolo Cascina Francia 2001: noch sehr verschlossen, lässt Noten von Veilchen, Trüffel und Minze erahnen, umrahmt von Waldbeeren und einer kräftigen, alkoholischen Mitte, die den jungen Wein noch unrund erscheinen lässt, gefolgt von einem Abgang mit dickem Tannin. Ab 2010. 90-93 WKP
Barolo Monfortino Riserva 1997: Der heiße Sommer ließ die Nebbiolo-Trauben früh reifen, was den Geschmack nach Kirschlikör und Fleisch im Eingang, der sich dicht im Mund breit macht, erklärt. Die Mitte noch voller Teer- und Rauchnoten, erinnernd an beste Havanna-Zigarren, gefolgt von weichem, dicht-samtigen Tannin in einem langen Finish. Sehr stoffig, aber noch zu jung. Ab 2008. 95-97 WKP
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