Unser Tag in Montforte D'Alba führte auch zu einem der Väter der modernen Methoden im Piemont, Elio Altare, der betont, dass seine sympathische Tochter nun Chefin des Unternehmens ist, nicht zuletzt deswegen, weil sie mit den Weinen des Vaters groß wurde, sondern auch weil sie BWL und mehrere Sprachen studiert hat, was bei der zunehmenden Internationalisierung des Handels von Vorteil ist. So nehmen auch für die Altares neue Märkte wie China, Thailand und Russland mittlerweile eine wichtige Stellung ein. Elio Altare, der zusammen mit Renato Ratti in den Siebzigern das Burgund bereiste um heraus zu finden, warum die Weine dort so hohe Preise erzielen. Womit er konfrontiert wurde, waren die Techniken, die die ursprünglichen "Modernisti" ausmachten: Ertragsreduzierung, kurze Maischestandzeiten, Ausbau im Barrique aus französischer Eiche. Voller Ideen und Tatkraft kam er nach Hause, dünnte die Trauben im väterlichen Weinberg aus und --- wurde enterbt. So musste er den Besitz mühsam von Tanten zurückkaufen, um überhaupt seine Ideen verwirklichen zu können. Mittlerweile gehört ihm auch seine berühmte Lage Arborina, deren Reben nun alt genug für hervorragenden Barolo sind.

Elio Altares Philosophie
reflektiert die
viele Erfahrung, die er seit 1976 gesammelt hat - Wein ist zum Trinken gemacht.
Wenn man heute einen Barolo öffnet, muss man ihn trinken können, egal wie jung
er ist. Dass der Wein im Alter anders, eventuell auch besser schmeckt, ist
selbstverständlich. Deshalb sind die kurzen Maischstandzeiten für ihn ganz
normal und mit die kürzesten, von allen von uns besuchten Winzern: max. eine
Woche beim Nebbiolo. Dieser wird in gebrauchten Barriques ausgebaut, da Nebbiolo
neues Holz auf Grund seiner für sich schon hohen Tanningraduation nicht
verträgt. Im Gegensatz zum Barbera, der es sogar benötigt.
"Tanninmächtige Weine sind groß, aber nicht großartig", so der
Meister. "Auf die Balance kommt es an, nie mehr Tannin, nie mehr Säure als
der Wein verträgt" Und da er im Nebbiolo einen Cousin des Pinot Noir
sieht, möchte er seinen Vorbildern aus dem Burgund zwar nicht nacheifern,
jedoch diese Charakteristika herausarbeiten, denn Wein ist für ihn eine
Interpretation des Winzern der Gegend. Nicht mehr, nicht weniger.
Internationale Rebsorten baut man auch an und produziert einen Wein aus der Serie INSIEME (=Zusammen)- an der noch 8 andere Winzer mit ihrer jeweiligen Version (die Zusammensetzung der Weine variiert nach Weingut). Bei Elio Altare werden Syrah, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon und Barbera verschnitten. Hier unsere Notizen:
Insieme 2000: sehr kräftige Cabernet-Noten in
der Nase und Mund, sowie unverkennbare Würzigkeit des Syrah. Insgesamt ein
kräftiger, ausgewogener Wein, dem es etwas an Authentizität fehlt. 86 WKP
Dolcetto D'Alba 2003: schöner, fruchtiger Dolcetto. Charmant mit ganz weichem Tannin. 84 WKP
La Villa 2001: Die Barbera / Nebbiolo Cuvée präsentiert sich mit starkem und sehr angenehmen Amarenakirschton, Tabak und Bleistift in der Mitte, gefolgt von vanilligem, samtig-langen Tannin. Ein Wein, der absolut zur Philosophie Altares passt: Macht jetzt schon Spaß, kann aber locker 10 Jahre gelagert werden. 91 WKP
Barolo 1999: feiner, fast etwas leichter Barolo aus verschiedenen Lagen, hier dominiert ein Sauerkirschton, mit Andeutungen von Brombeere und Minze, allerdings alles etwas verhalten. Schmatziges Tannin verspricht mittellange Haltbarkeit (bis mind. 2010). 90 WKP
Barolo Arborina 2001: Breites Spektrum roter Beeren im Eingang, verspielte Nase und sehr dunkle Farbe für einen Barolo, in der Mitte Kaffee mit Anklängen von Holz und Kakao, umrundet von mundfüllendem, süßem Tannin. Groß und großartig. 94 WKP
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